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Methode naturelle

Donnerstag, 5. Januar 2012 | Autor:

Als Parkour von David Belle und seinen Freunden entwickelt wurde ließen sie sich von den unterschiedlichsten Quellen inspirieren. Eine dieser Quellen war Methode naturelle, ein altes französisches Trainingssystem. Große Teile der Philosophie von Parkour lassen sich auf die Ideen von Methode naturelle zurückführen.

Entwickelt wurde Methode naturelle von Georges Hébert Anfang des 20. Jahrhunderts.
Hébert, 1875 in Paris geboren, war ein Marine-Offizier der französischen Armee und 1902 in Saint-Pierre, Martinique, stationiert, als der dortige Vulkan Mount Pelée ausbrach. Seine Hilfe bei der Rettung der Einwohner der Stadt stärkte ihn in seiner Überzeugung, dass körperliche Fähigkeiten mit einem starken Geist gepaart sein sollten. Dieser Gedanke spiegelt sich auch im Motto seines Trainingssystems wieder:

„Stark sein, um nützlich zu sein“ Georges Hébert

Es ging ihm daher nicht nur darum, den Körper, sondern vielmehr auch den Geist zu stärken und so für jede mögliche Gefahrensituation vorbereitet zu sein. Das Training sollte somit auf das Leben mit all seinen möglichen Gefahren vorbereiten.

„Das endgültige Ziel der physischen Erziehung ist es starke Persönlichkeiten zu schaffen.
Im rein physischen Sinn fördert Methode naturelle alle Qualitäten von natürlichem Widerstand, Muskelkraft und Schnelligkeit, um gehen, rennen, springen, auf allen Vieren laufen, klettern, balancieren, werfen, heben, sich verteidigen und schwimmen zu können.
Im energetischen Sinn bezieht sich das System darauf genügend Energien, Willenskraft, Mut, Besonnenheit, Entschlossenheit zu haben.
Im moralischen Sinn führt oder unterstützt die Erziehung durch Wertschätzung der Emotionen den moralischen Antrieb in eine nützliche und förderliche Richtung.
Die wahre Methode naturelle, muss im weitesten Sinne, als das Resultat dieser drei speziellen Kräfte gesehen werden; es ist die physische, energetische und moralische Synthese.
Es zeigt sich nicht nur in den Muskeln und der Atmung, sondern vielmehr in der Energie, die aufgewendet wird, im Willen, der sie dirigiert und in den Gefühlen, welche einen führen.“ Georges Hébert

Bei der Umsetzung dieser Idee griff er zum Großteil auf seine Erfahrungen bei den Ureinwohnern Afrikas, von deren körperlichen Fähigkeiten er fasziniert war,
sowie einige Ansätze anderer Trainingssysteme zurück.

“Ihre Körper waren großartig, beweglich, behände, geschickt, ausdauernd und widerstandsfähig, aber bis jetzt hatten sie keinen anderen Lehrer, als ihr Leben in der Natur.“
Georges Hébert

Daraus entwickelte er sein Trainingssystem, das gänzlich auf natürlichen Bewegungen beruht. Er unterteilte die Bewegungen in 10 Gruppen: Gehen, Rennen, Springen, Vierfüßler Lauf, Klettern, Balancieren, Werfen, Heben, Verteidigen und Schwimmen.

Eine Trainingseinheit besteht aus einer Kombination einiger dieser Bewegungen. Dabei kann man dies entweder entlang einer festgelegten Route, ähnlich zu einem Trimm-Dich-Pfad, tun oder in natürlicher Umgebung spontan selbst eine Route suchen. Zweiteres erfordert eine gewisse Trainingserfahrung, kommt
jedoch an den Gedanken von Parkour recht nah heran. Eine typische Trainingseinheit dauert dabei zwischen 20 und 60 Minuten.

Das Trainingssystem war zu seiner Zeit so erfolgreich, dass eigene Parks, ähnlich den bekannten Trimm-Dich-Pfaden, gebaut wurden und das Französische Militär nach diesem System trainiert hat. Diese Parks waren Vorgänger der noch heute beim Militär verwendeten Hindernisbahnen.

Im Zuge des Hypes um Parkour und den Begriff des funktionellen Trainings in der Fitness-Branche, erlangte Methode naturelle wieder größere Bekanntheit. Es gibt einige Versuche, das System den heutigen Bedürfnissen anzupassen und es zu erneuern. Zwei Beispiele sind hier Movnat und Naturpfade.

Dieser kurze Abriss kann verständlicherweise nur eine grobe Idee über Methode naturelle vermitteln. Weiter gehende Einblicke geben die von George Hébert verfassten Bücher, die jedoch bis heute ausschließlich in französischer Sprache vorliegen. Die fehlende Übersetzung seiner Ausführungen in andere Sprachen kann auch ein Grund dafür sein, dass Methode natuelle bis heute eher ein Nischendasein fristet und der ganzheitliche Aspekt des von Hébert entwickelten Trainings bisher nicht von der breiten Masse entdeckt wurde.

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