Ahoi Leute,
Aus gegebenem Anlass mal wieder was von mir. Ich war heute das erste mal seit über einem Jahr wieder laufen und fühle mich GUT. Wie ich es vermisst habe. Wie sehr ich gezweifelt habe, ob ich je wieder laufen, geschweige denn Parkour laufen gehen könnte. Habe jetzt seit über einem Jahr an meinen Knien laboriert und schon die schlimmsten Horrorvisionen von wegen Arthrose und sonstigen Zerfallerscheinungen gehabt. Im Nachhinein ist die Geschichte äußerst banal und klar nachzuvollziehen:
Es fing damit an, dass ich mir im Dezember 2006 einen Muskelriss im Deltoid zugezogen hatte. Wahrscheinlich nicht richtig erwärmt und dann zuviel Last drauf gegeben (passe muraille?). Den Riss hatte ich seinerzeit nicht als solchen bemerkt und es zuerst für eine Zerrung gehalten. Da ich kein Fan von zum-Arzt-gehen bin, hat es bis Februar 2007 gedauert bis ich mal einen Arzt drauf schauen ließ. Nun gut – ich konnte nichts mehr mit den Armen machen, also habe ich mich auf die Beinarbeit konzentriert: Laufen gehen, Kniebeuge, Balance, etc. Irgendwann fingen die Knie beim Laufen an zu zwicken, was ich erst als temporäre Erscheinung durch Übermüdung abgetan habe. Dann wurde es so schlimm, dass ich keine zwei Laufschritte mehr tun konnte, ohne gleich wieder stehen bleiben zu müssen, weil es einfach nicht auszuhalten war. Diesmal war ich aber sofort beim Doc und der diagnostizierte eine Knorpelentzündung unterhalb der Kniescheibe (wohl an der Kniescheibensehne (ligamentum patellæ wer’s genau wissen will :])). Also waren 3 Monate Pause angesagt.
Irgendwann waren die 3 Monate rum, aber es hatte sich nichts getan. Normales gehen ging, aber Treppauf, Treppab und bei leichten Steigungen zwickte es immernoch in den Knien. Laufen ging erst recht nicht. Ich habe mich in Geduld geübt und die Zeit ihr Ding tun lassen. Zum Arzt bin ich dann nicht mehr gegangen. Wahrscheinlich würde ich aber heute auch noch auf Besserung hoffen, wenn nicht einer meiner Freunde zufällig ähnlich Symptome gehabt hätte. Er war beim Physiotherapeuten und der meinte sofort, dass die Oberschenkelmuskulatur verkürzt ist und die Muskeln die Kniescheibe nach oben ziehen und dadurch ständig Reibung entsteht. Fragt mich nicht nach Details. Jedenfalls erkannte ich die Parallelen: Ich hatte mich nach dem Deltamuskelriss auf die Beinmuskulatur konzentriert und evtl. nicht genug gedehnt. Dadurch verkürzte sich die Muskulatur und das Zwicken begann. Es schien logisch. Also fing ich an, die gesamte Oberschenkelmuskulatur zu dehnen.
Der Erfolg stellte sich nahezu im Handumdrehen ein. Schon zwei Wochen nach Beginn wurde das Zwicken beim Treppensteigen merklich weniger. Nur an leichten Steigungen, wenn das Knie eigentlich keine Arbeit mehr verrichtet, sondern das Bein gerade bleibt und die Steigarbeit von der Gesäßmuskulatur verrichtet wird merkte ich die Knie noch – mal mehr das linke, mal mehr das rechte. Eigenartigeweise nie beide zusammen. Das ganze war nun vor ca. 10 Wochen. Ich habe in den vergangenen Wochen nun nicht intensivst gedehnt, sondern mal früh, mal abends, mal früh und abends, dann mit ein, zwei Tagen Pause – also immer wenn ich gerade dann dachte, aber nicht nach einem festen Plan. Mein Ansatz war “Na wenn deiner Muskulatur nach Dehnen zumute ist, wird es dir schon in den Sinn kommen, dass es so ist”
Jedenfalls war ich heute wieder auf meiner Standardstrecke – wenn auch mit verkürzter Distanz. Ich werde das beobachten und auf keine Fall das Dehnen vergessen
Was lernen wir daraus? Nicht übertreiben. Immer schön erwärmen. Immer brav dehnen. Auf den Körper hören. Nichts erzwingen, bei dem ihr kein gutes Gefühl habt.
Einen schönen Tag euch allen,
Christoph